

Mit fast 330.000 Abonnent*innen auf YouTube erreicht ihr schon eine ganze Menge Schüler*innen in Deutschland. Warum sind Offline-Projekte wie SoR-SmC dennoch wichtig für euch?
Gelavijke K. Zakeri: Offline-Projekte – insbesondere an Schulen – liegen uns sehr am Herzen. Das ist immer eine schöne Gelegenheit, mit unserer Community in engen Kontakt zu treten. So können wir uns direkt mit den Leuten austauschen, für die wir unsere Videos produzieren.
Seit Juli 2019 ist die Duisburger Lise-Meitner-Gesamtschule eine Courage-Schule. Was hat euch an der Patenschaft für die Schule begeistert?
Gelavijke K. Zakeri: Wir waren sehr davon berührt, dass insbesondere die Schüler*innen uns als Pat*innen ausgewählt hatten. Außerdem waren die Schulleitung und alle anderen Verantwortlichen so freundlich, verständnisvoll und flexibel, dass wir gar nicht mehr Nein sagen wollten.
Was sind eure Tipps für Schulen, die Social Media in Schule und Unterricht gegen Fremdenhass einbeziehen möchten?
Gelavijke K. Zakeri: Verbote bringen nur selten etwas. Viel wichtiger ist es, den Kindern beizubringen, kritisch mit dem umzugehen, was ihnen im Internet begegnet. Selbst wenn es kontroverse Videos oder Meinungsäußerungen in Form von Kommentaren auf Social Media sind, müssen wir darüber sprechen können. Dabei sollten Lehrer*innen und Betreuer*innen nicht vergessen, dass die Kinder sich in der Regel mit Social Media und dem Internet besser auskennen als sie selbst. Man sollte ihnen auf Augenhöhe begegnen und nicht die Einstellung an den Tag legen, sie belehren zu wollen.
Verbote bringen nur selten etwas.


Die Lise-Meitner-Gesamtschule in Duisburg ist neu im Netzwerk – mit prominenten Pat*innen. Warum gerade die Datteltäter?
Julia Rombeck: Die Datteltäter greifen heiße Eisen im Miteinander der Community mit Migrationshintergrund und der Communities untereinander auf, verarbeiten sie kurz und knackig in einem professionellen Clip und sprechen dabei die Sprache von jungen Menschen. Häufig basieren ihre Videos auf Umfragen unter Schüler*innen über Erfahrungen und Ideen, die sie aus ihrem Schulalltag mitbringen. Dadurch sind die Datteltäter nahe dran, aber ohne belehrend oder moralisierend zu wirken.
Ein paar der satirischen Videos wurden bei der Preisverleihung gezeigt. Schön und gut. Aber wie arbeitet die Schule damit weiter?
Julia Rombeck: Ich bin ja selbst Lehrerin und habe einige Videos der Datteltäter meinen Schüler*innen gezeigt und mit ihnen darüber gesprochen. Auf diese Weise kann man ein Thema, das die Schüler*innen bewegt und betrifft – zum Beispiel Kopftuch oder Ramadan –, zunächst mit Humor in die Klasse bringen. Später diskutieren wir dann ernsthafter darüber. Sehr gern zeige ich die Videos in Lehrer*innenfortbildungen oder wenn ich das Netzwerk vorstelle. Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, dass manche Kolleg*innen den Spiegel gar nicht mochten, den sie über die Videos vorgehalten bekommen haben. Aber genau da setzt rassismuskritische Arbeit in den Schulen an: bei der Selbstreflexion – und die kann manchmal auch unangenehm sein. Übrigens auch bei den Schüler*innen.
Datteltäter greifen heiße Eisen auf.
Haben Sie Tipps für andere Schulen, die Social Media in Schule und Unterricht gegen Fremdenhass einbeziehen möchten?
Julia Rombeck: Das Medium YouTube ist bei Schüler*innen alltäglich präsent, man öffnet also gleich einen Kanal bei ihnen. Als Lehrer*in sollte man zunächst selbst aufmerksam und professionell in diesen Netzwerken unterwegs und aktiv sein. Mir ist aufgefallen, dass viele Lehrer*innen zum Beispiel die Datteltäter noch nicht kannten. Dann könnte man die Videos im Unterricht einsetzen, aber auch die Community-Funktion verstärken, in dem man zum Beispiel mit Schüler*innen gemeinsam die Kommentare durchsieht und gegebenenfalls mit #nohatespeech adäquat reagiert. Die Schüler*innen könnten außerdem eigene Videos zum Thema Rassismus und Diskriminierung in ihrem Umfeld drehen – zum Beispiel im Rahmen einer Projektwoche, als Facharbeit oder zusätzliche Lernleistung.