lautstark. 02.10.2020

Trotz Corona voll im Einsatz, aber sicher!

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Schule unter Pandemie-Bedingungen

Lehrkräfte, die zur Corona-Risikogruppe gehören und mit einem Attest der Schule fernbleiben können, stehen derzeit dem Vorurteil gegenüber, auf der faulen Haut zu liegen. Dass diese Kolleg*innen viele Aufgaben übernehmen, schildert Berufskollegslehrer Andreas Hohrath.

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  • Ausgabe: lautstark. 06/2020 | Geld – Gute Bildung ist mehr wert
  • Autor*in: Andreas Hohrath
  • Funktion: GEW-Mitglied und seit 1995 Werkstattlehrer „Metall“ an einem Berufskolleg in Unna
Min.

Lehrkräfte mit Attest hätten nur noch frei und ihre Kolleg*innen in der Schule müssten ihre Aufgaben übernehmen. Dieses Vorurteil hält sich derzeit hartnäckig. Die Realität ist: Sie nehmen zwar nicht am Präsenzunterricht teil, müssen aber ansonsten alle anderen dienstlichen Pflichten erfüllen. Auch ich habe ein solches Attest
abgegeben, in dem steht, dass es bei mir durch meine Vorerkrankungen bei einer möglichen Infektion mit
Covid-19 zu einem schweren Verlauf kommen könnte. 

Distanzunterricht vorbereiten und betreuen 

Seit dem Lockdown im März arbeite ich nun meist von zu Hause und übernehme von dort aus verschie-
dene Aufgaben – ebenso wie die anderen betroffenen Kolleg*innen auch. An meiner Schule, ein technischgewerblich ausgerichtetes Berufskolleg in Unna, ist es so geregelt, dass wir Kolleg*innen im Homeoffice uns dort einbringen, wo Bedarf ist. Also sprechen wir ab, wer was für den Schulbetrieb beitragen und die anderen
entlasten kann. Dabei übernehmen wir neben den normalen dienstlichen Aufgaben beispielsweise die Vorbereitung und Betreuung des Distanzunterrichts und passen unsere didaktischen Jahresplanungen daran an.

Die Kolleg*innen im Präsenzunterricht können sich schon aus zeitlichen Gründen nicht noch zusätzlich darum kümmern. Und ja, die Regel soll Präsenzunterricht sein, aber die Praxis zeigt etwas anderes: Denn seit dem Sommer waren unsere Klassen teilweise schon von Quarantäne betroffen. Wie gestaltet sich mein Arbeitstag nun also konkret? Vor Corona war ich im fachpraktischen Unterricht im Bereich der CNC- und Steuerungs-
technik eingesetzt, wo ich die Schüler*innen praktisch an den Maschinen unterrichtet habe. Im Homeoffice bereite ich nun in Absprache mit den Kolleg*innen die Unterlagen des CNC-Unterrichts digital so auf, dass sie im Distanzunterricht eingesetzt werden können.

Als Plattformen verwenden wird Moodle und Microsoft Teams für den Datenaustausch sowie für Videokonferenzen. Ich lasse den Schüler*innen also die Aufgabenstellungen über die Plattformen online zukommen,
hole die Ergebnisse ein, kläre Fragen, treffe mich im Videochat im Plenum mit der Klasse oder mit abgestimmten Gruppen, um bestimmte Programmiermöglichkeiten an einer CNC-Maschine zu besprechen, program-
miere und simuliere mit den Schüler*innen gemeinsam – und all das online.

Onlineaustausch und interne Fortbildungen

Über den Distanzunterricht hinaus führen wir seit Beginn des Schuljahres schulinterne Lehrer*innenfortbildungen im Bereich der rechnergestützten Fertigung durch, damit mehr Kolleg*innen die Maschinen
bedienen können. Zudem treffen wir uns regelmäßig online zum Austausch, um den Distanzunterricht zu
verbessern und erstellen gemeinsam Vorschläge für den Distanzunterricht. Hier lernen wir noch täglich dazu, auch dank unseres Schulleiters, der sein Personal motivierend führt und gewinnbringend für die Schule
einsetzt. Neben meinem Amt als Werkstattlehrer bin ich zudem im Personalrat Berufskolleg im Regierungs-
bezirk Arnsberg. Auch diese Tätigkeit fülle ich weiter aus, ebenso wie alle dienstlichen Pflichten – nur eben 
derzeit nicht im Präsenzunterricht.