

Wie erlebst du die Rückkehr zum Präsenzunterricht an deiner Hochschule?
Jan Wappler: Ja, es ist so ein bisschen zwiespältig würde ich mal sagen. Wir haben bisher größtenteils Hybrid-Veranstaltungen, die aufs Onlineseminar ausgelegt sind. Das finde ich persönlich auch sehr gut, weil ich mich halt immer noch ein bisschen mulmig fühle mit so vielen Menschen in einem Raum. Und dieser Zwiespalt hat sich auch nicht wirklich gegeben. Ich drücke mich also noch vor Präsenzveranstaltungen. Zumal die Bahnen auch schon vor Corona völlig überfüllt waren und der Spruch „Ruhr-Uni-Bochum, das Studium in vollen Zügen genießen“ nicht weit hergeholt. Allein auf dem Weg zur Uni würde ich mich also schon unwohl fühlen.
Allerdings freue ich mich über soziale Kontakte. Auf neue soziale Kontakte. Beim Digitalunterricht ist ja auch viel Zwischenmenschliches verloren gegangen. Also im Hörsaal in der letzten Reihe mal ‘n paar Döskes machen oder Nebengespräche führen – das ist halt komplett weggebrochen. Und in der Corona-Zeit zeigt sich einfach wie mangelhaft die Digitalpolitik ist, meiner Meinung nach. Menschen, die keinen Zugang zum Internet zuhause haben oder bei denen vielleicht auch die Ausstattung fehlt, sind zwangsweise abgehängt.
Ich persönlich bin Autodidakt. Und finde es tatsächlich auch ganz gut, zuhause bleiben zu können und mir die Vorlesung aus der Ferne anzugucken. Stellenweise ist es schwierig die Disziplin einzuhalten, sag ich mal. Also, die Vorlesungen dann wirklich anzuschauen und nachzuarbeiten. Da habe ich auch gemerkt, dass mir hier und da mal was verloren gegangen ist. Naja, und das kennen wir ja irgendwie alle: Arbeitsstelle und Wohnstelle sind nicht wirklich tauschbar und man hat keinen Wohlfühlort mehr, weil man irgendwie überall arbeitet. Und so wird alles schnell zum Einheitsbrei.
Wie wird der Präsenzbetrieb an deiner Hochschule umgesetzt?
Jan Wappler: Ich war wirklich nicht so häufig im Unterricht, sondern habe weiterhin die Onlinevorlesung genutzt. Ich war in der Mensa und da wurde die 3G-Regel gut eingehalten. Da machen das die Mensa-Mitarbeiter*innen. Sie kontrollieren jede*n beim Eintritt.
Hochschulleben bedeutet für Studierende auch sozialer Kontakt. Was ist an deiner Hochschule wieder möglich?
Jan Wappler: Ja, ich bin eh nicht so der Party- und Kulturtyp. Ich habe gehört, dass in der Bochumer Innenstadt auch wieder Discos geöffnet haben. Es gibt auch wieder Fachschaftspartys und Ersti-Fahrten. Also bei den Ersti-Fahrten kann ich mir auf jeden Fall gut vorstellen, dass Hygienekonzepte gut umgesetzt werden, weil die Teilnehmer*innen bekannt sind. Aber bei Partys bin ich mir da nicht so sicher. Ich würde auf beides immer noch verzichten. Das ist mir einfach zu heikel. Ich habe aber auch eine Vorerkrankung. Ich hatte Asthma und da möchte ich kein unnötiges Risiko eingehen.
Glaubst du Corona und die Distanzlehre beeinträchtigen deinen Studienerfolg?
Jan Wappler: Ich glaube, es besteht schon eine gewisse Gefahr, sich ein bisschen in dem Ganzen zu verlieren. Ständig zuhause sein, alles ist irgendwie in der Schwebe. Da kann man schon aufs Abstellgleis geraten und dann vielleicht nicht wieder anfahren, weil einem die Motivation fehlt. Also ich habe meinen Bachelorabschlussabschluss während der Corona-Zeit gemacht. Mit dem Master muss ich jetzt gucken. Da bin ich noch nicht so richtig drin. Der Bachelorabschluss hat sich auch erst einmal gezogen. Aber ob es in Präsenz schneller gegangen wäre, kann ich super schlecht einschätzen.
Ich habe Corona tatsächlich auch ein bisschen als Chance begriffen, mich richtig hinters Studium zu klemmen. Denn wenn ich schon zuhause sitzen und eventuell wieder einen Lockdown befürchten muss, dann kann ich mir auch Wissen aneignen und die Zeit sinnvoll gestalten.
Was wünschst du dir, wie es weitergeht?
Jan Wappler: Für die Erstis und die Menschen, die das Campusleben durch Corona gar nicht kennenlernen konnten, würde ich mir wünschen, dass sie bald die Chance dazu haben. Allerdings kann ich mir auch vorstellen, dass das noch ewig dauern und vielleicht nie wieder so wird wie’s mal war. Corona wird ja nicht vorbei sein in dem Sinne, weil das über die Luft übertragbar ist. Irgendwann ist es dann epidemisch und nicht mehr pandemisch und man akzeptiert einfach, dass es das Virus gibt.