

Anfangs im örtlichen Personalrat, führt Johanne Duensing seit 2016 die GEW-Liste im Bezirkspersonalrat an. „Da kam sehr schnell der Spagat zwischen Unterricht und Personalratsarbeit“, erinnert sie sich. Diese Doppelrolle, das war ihr bald klar, ist nur mit strukturierter Arbeit zu stemmen, mit vernünftiger Work-Life-Balance. Ihr Credo: Für die Arbeit brennen: ja, verbrennen: nein.
Personalratsarbeit bereichert den Alltag
Arbeitsbedingungen hatte die 41-Jährige schon vor der Wahl in den Personalrat als wichtiges Thema gesehen. Sie kannte die Missstände in Schulen, die es schwer machen, gute Arbeit zu leisten und gesund zu bleiben. „Modelle aus der Wirtschaft oder aus Skandinavien auf den öffentlichen Dienst zu übertragen, wäre gut“, sagt sie. Ideen dafür hat sie genug.
Co-Working-Spaces passen zum Beispiel zur Digitalisierung der Schulen. Diese „mit vernünftigen Büroräumen auszustatten, sollte nicht so schwierig sein.“ Hier könnten Gutachten und Zeugnisse geschrieben werden, sich aber auch Arbeitsgruppen treffen.
Die Fika ist eine Institution in Schweden. Diese Kaffeepause als kleine, kreative Auszeit könnte auch im Kollegium helfen, neue Ansätze zu finden oder Teams zusammenzuschweißen. „Unsere Schultage sind so atemlos geworden, dass keine Zeit für kreative Muße bleibt“, bilanziert die Personalrätin. Interessant seien außerdem Modelle in Schweden, die Vier-Tage-Woche zu erproben, und Grundschullehrer*innen sollten wieder Sabbatjahre nehmen können, um ihr Potenzial entwickeln zu können.
Für Recht hatte sich Johanne Duensing schon früher interessiert. Ursprünglich wollte sie Jura studieren. Dann, im Schuldienst, suchte sie „eine zweite Komponente, die den Alltag bereichert“. Als Personalrätin ist ihr „ganz wichtig, Interessen zu wahren und gute Arbeit zu ermöglichen“. Überlastung werde zunehmend spürbar, erfährt sie und verweist auf gestiegene Anforderungen.
Wenn die Kolleg*innen sich gut beraten fühlen, wenn auch mal ein Teilzeitantrag gegen Widerstand durchgekämpft worden ist, wenn es positive Rückmeldungen gibt, ist das für die Personalrätin Motivation und Ansporn. Dem ging ein Lernprozess voraus. Ihr musste erst klar werden, dass sie „nicht von jetzt auf gleich die Arbeitswelt reformieren kann, sondern dass Fortschritt in kleinen Schritten kommt“. Das kostet Zeit, Kraft, Geduld, Nerven. Und: Es braucht Struktur.
Johanne Duensing will Freiräume schaffen
Sie plane ihre Woche genau. „Ständig erreichbar sein macht krank“, ist Johanne Duensing überzeugt. Die Montage hält sie sich für die Personalratsarbeit frei. Dienstags bis freitags unterrichtet sie. Anschließend beginnt der Zweitjob: Interessenvertretung. „Am späten Nachmittag bin ich immer erreichbar, telefonisch und per E-Mail. Nach 18 Uhr nur in Ausnahmefällen. Ich brauche auch Zeit für meinen Sport, fürs Private. Dann arbeite ich auch deutlich besser, bin fitter und prägnanter. Früher habe ich das gemischt“, sagt Johanne Duensing. Wenn sie heute den Laptop zuklappt und wegräumt, ist Schluss. Switchen zwischen Laptop im Arbeitszimmer und privaten Tätigkeiten ist nicht mehr. Gewerkschaftliche Termine versucht sie so zu platzieren, dass es sie zeitlich und arbeitsmäßig nicht auffrisst. Zugfahrten nutzt sie zum Arbeiten. Und wenn es mal länger dauert, darf an einem anderen Tag auch früher Feierabend sein.
Sie praktiziert, was sie vertritt: Freiräume schaffen. Mit dem Thema ist sie als Personalrätin ständig konfrontiert. Aufgrund des Lehrkräftemangels werde Teilzeitbeschäftigung nur noch vereinzelt genehmigt, erklärt Johanne Duensing. Gerade dort sei individuelle Beratung nötig, um Argumente zu finden und Chancen auszuloten. Die Sache mit der Zeit ist ein Arbeitsfeld, in das die Personalrätin viel Zeit investiert. Empfehlungen der Bezirksregierung zu Vertretungs- und Teilzeitkonzepten müssen „durchforstet, auf Haken und Stolpersteine hin abgeklopft werden, um sich in der Beratung darauf einstellen zu können“. Zweiter Schwerpunkt im Alltag der Interessenvertretung sind die Versetzungen. Wie geht man sie praktisch an? Was bietet Aussicht auf Erfolg? Das sind die Großbaustellen bei der Personalratsarbeit.
Erfahrung macht gelassener
Was für Betroffene ein individuelles Problem ist, ist für Johanne Duensing inzwischen Routine. „Erfahrung macht gelassener“, sagt sie. Hatte sie anfangs „großen Respekt, die Behörde als Ansprechpartnerin zu haben“, hat sie inzwischen das Gefühl, dass man sich auf Augenhöhe begegnet. Sie weiß aber auch, dass dicke Bretter zu bohren sind: Ungleichheit zwischen Angestellten und Beamt*innen in den Kollegien, die Angleichung der Bezahlung im Fokus zu halten, Bedingungen für gute Arbeit und Gesundheit im Job zu schaffen, sind Stichpunkte auf ihrer Wunschliste.
Sie glaubt, „dass vieles machbar ist, sonst würde ich das nicht machen“. Gewerkschaftsarbeit sei ganz wichtig. Johanne Duensing schätzt es, in der GEW „Ansprechpartner*innen zu haben, Unmut loswerden zu können, gemeinsam Ideen umzusetzen und Visionen zu entwickeln. Das möchte ich nicht missen“. Als Vorteil sieht sie es an, in beiden Welten zu Hause zu sein: als Lehrerin in der Schule und als Personalrätin. „In der Doppelrolle kann ich Personalratsarbeit glaubwürdig machen“, sagt sie.
Hintergrund
10 Gründe, warum wir Personalräte brauchen
- Der Personalrat hilft den Beschäftigten dabei, ihre Rechte wahrzunehmen.
- Der Personalrat sorgt dafür, dass die Beschäftigten informierter sind.
- Der Personalrat kann Überstunden verhindern.
- Der Personalrat fördert den Arbeits- und Gesundheitsschutz.
- Der Personalrat sichert Beschäftigung.
- Der Personalrat stellt sicher, dass Beschäftigte Fortbildungschancen nutzen können.
- Der Personalrat macht sich stark für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
- Der Personalrat sorgt für weniger Willkür bei Personalauswahl und Beförderung.
- Der Personalrat gestaltet Verwaltungsreformen mit.
- Der Personalrat mildert Personalabbau und Privatisierung ab.
Ute Lorenz
Expertin der GEW NRW für Mitbestimmung