

Im Mai 2010 wurde die schwarz-gelbe Regierung unter Jürgen Rüttgers in NRW abgewählt. Ein gutes Jahr später akzeptierte die CDU mit dem Schulkonsens Lösungen, die sie während der eigenen Regierungszeit noch schroff abgelehnt hatte. Von politischen Konsequenzen aus dem Schulwahlverhalten der Eltern hatten die Christdemokrat*innen zuvor nichts wissen wollen. Viel lieber wollten sie die Hauptschule retten – koste es, was es wolle. Nach der Wahlniederlage sah das plötzlich ganz anders aus.
Im Mai 2017 wurde die rot-grüne Regierung unter Hannelore Kraft abgewählt und hinterließ einige Großbaustellen: Der Runde Tisch zu G8 war gescheitert. Lehrer*innen warteten vergeblich auf ein Ende der verfassungswidrigen Besoldung. Der Unterrichtsausfall stand in der Kritik. Die Inklusion war dramatisch unterfinanziert. Zwei Jahre nach der Wahlschlappe beschlossen die Grünen ein neues Bildungsprogramm und korrigierten ihre Positionen. Die SPD ist auf der Zielgeraden für ihr neues Bildungsprogramm. „Hätten wir doch besser vorher den Kurs korrigiert“, steht zwischen den Zeilen.
Seit Mai 2017 ist also wieder Schwarz-Gelb am Zug. G8 war nicht nur schlecht, fand die FDP und überließ als eine ihrer ersten bildungspolitischen Errungenschaften den Schulen die Entscheidung zwischen G8 und G9: Nur ein einziges öffentliches Gymnasium in NRW wählte G8, alle anderen kehren zurück zu G9. Zwei gymnasiale Bildungsgänge, die parallel existieren, kosten. Alle fünf Jahre wiederholt sich die Geschichte! Wir Expert*innen fordern Verbesserungen, die Politik antwortet: „Wir haben verstanden.“ Aber warum fehlt die Kraft, auch danach zu handeln? Lieber auf die Opposition warten?