lautstark. 19.09.2019

Erster Schultag: Kleine Füße gehen große Schritte

Grundschule

Schulstart an der Beckbusch-Schule

Am 29. August 2019 sind die Erstklässler*innen an der Beckbusch-Schule ins Schulleben gestartet. Wie fühlt sich dieser Neuanfang an? Für die i-Dötzchen, die den vertrauten Kindergarten verlassen? Für die Eltern, die ihre Kinder wieder ein Stück mehr loslassen? Und für die Lehrer*innen, die eine neue Klasse übernehmen?

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  • Ausgabe: lautstark. 01/2019 | Auf geht's: Neuanfang
  • Autor*in: Denise Heidenreich
  • Funktion: freie Journalistin
Min.

Es ist kurz vor zehn. Im Düsseldorfer Norden bricht die Sonne durch die eben noch dichten Regenwolken. Eines der Flugzeuge, die tagtäglich am nahe gelegenen Flughafen starten und landen, zieht einen weißen Kondensstreifen durch das leuchtende Blau des Himmels. Auf dem Schulhof der Beckbusch-Schule ist es laut und trubelig, im Menschengetümmel blitzen bunte Schultüten mit glitzernden Meerjungfrauen, 3D-Fußbällen oder bauschigem Tüll. Vor einer guten halben Stunde wurden hier noch die Stühle von der Turnhalle auf den Schulhof geschleppt, das Wetter entscheidet jedes Jahr aufs Neue darüber, ob die Einschulungsfeier an der frischen Luft oder im bekannten Turnhallengeruch stattfindet.

Weg frei fürs Lernen!

Wieder fliegt ein Flugzeug über Eltern-, Kinder- und Lehrer*innenköpfe hinweg. Die Erstklässler*innen, die mit ihren riesig wirkenden Tornistern vor einer kleinen Bühne sitzen, bemerken es nicht – sie schauen zu dem Mann, der vorn steht und sie lächelnd begrüßt. „Seid ihr aufgeregt? Habt ihr trotzdem gut geschlafen?“, will Schulleiter Holger Thrien wissen. „Meine Schwester hat mich geweckt“, grummelt eines der Kinder, ein anderes erzählt, es habe „komisch geträumt“. Die meisten sagen nichts, die Nervosität ist allen anzumerken. „Was machen wir denn eigentlich in der Schule?“, fragt Holger Thrien weiter. „Lesen!“ ,
„Schreiben!“, „Rechnen!“, kommt es blitzschnell von den i-Dötzchen. Ums Lernen also, so viel ist schon mal bekannt. Und genau davon handelt das kleine Theaterstück, das einige Zweitklässler*innen jetzt auf der Bühne zeigen. In „Der versperrte Schulweg“ geht es um Tina und Tim, die sich auf ihren ersten Schultag freuen. Doch drei mit bunten Fransen geschmückte, wild hüpfende und singende Monster versperren ihnen den Durchgang. Sie wollen die Kinder nicht zur Schule lassen: Wozu lernen, wenn es doch so schön ist, dumm zu sein? Die Kinder sind ratlos und wissen nicht, was sie tun sollen. Doch zum Glück gibt es kleine Helfer*innen: Ob mit Unterstützung von Elfen, Hahn und Hennen, von Mäusen oder zu guter Letzt von anwesenden Eltern – mit fröhlichen Liedern schaffen es alle gemeinsam, die einfältigen Monster zu vertreiben und den Weg zur Schule frei zu machen.

Willkommen zur ersten Schulstunde

Ameisen, Pinguine und Waschbären – so heißen die Klassentiere der drei ersten Klassen – finden nun mit ihren Klassenlehrer*innen zusammen und begeben sich zu ihrer ersten Schulstunde in die liebevoll eingerichteten Klassenräume. Die Eltern bleiben mit den Schultüten im Arm auf dem Schulhof. Offensichtlich fällt der Abschied einigen schwer, ist es doch ein riesiger Schritt, den ihre Kinder machen. Wie fühlt es sich an, den Nachwuchs wieder ein Stück mehr loszulassen?

Im Hause Cürünay ist die Aufregung über den ersten Schultag besonders groß: „Unser Sohn Yunus ist ein Integrationskind und wir freuen uns riesig darüber, ihn bei diesem großen Schritt zu begleiten. Aber natürlich sind wir auch sehr nervös, wie es für ihn sein wird, mit vielen anderen Kindern in eine Klasse zu gehen“, erzählt Salihe Cürünay. „Wir sind froh, dass Yunus hier an der Beckbusch-Schule aufgenommen wurde. Von Anfang an stimmte die Chemie zwischen uns und dem Schulteam, sodass wir diesem neuen Abschnitt positiv gegenüberstehen.“

Familiäre Atmosphäre und ein offenes Ohr

Doch auch die Eltern, die bereits ältere Kinder eingeschult haben, sind freudig gespannt auf die kommende Schulzeit. „Ich freue mich einfach von Herzen mit meiner Tochter Laura, dass sie nun endlich zur Schule darf“, erzählt Susanne Zöller. „Da unser Sohn hier bereits zur Schule ging, kennt sie einige Lehrer*innen und die Schule schon. Gespannt bin ich eigentlich nur auf das Thema Hausaufgaben.“ Die Beckbusch-Schule war die erste Wahl der Familie: „Es herrscht eine sehr familiäre Atmosphäre, die Lehrer*innen kennen die Kinder fast alle mit Namen – das war mir sehr wichtig.“

So sehen es auch Susanne und Andreas Plitzko, die heute ihre Tochter Lilia eingeschult haben und deren Tochter Marlene die dritte Klasse besucht: „Der Fokus liegt auf den Kindern – und nicht nur auf Leistungen, wie wir es bei anderen Schulen, die wir uns angesehen haben, erlebt haben. Das hat uns absolut überzeugt.“ Auch ihre Tochter hat sich sehr auf ihren „großen“ Tag gefreut: „Sie war total cool – nur der Abschied vom Kindergarten und ihren Freunden dort ist ihr ein bisschen schwergefallen.“

üleyha Ünlu schult heute ihren dritten Sohn an der Beckbusch-Schule  ein: „Davin hat sich gefreut, endlich mit seinen Brüdern zur Schule zu gehen – nur dass er hier im ersten Jahr wieder der Kleinste ist, hat ihn etwas gestört. Aber das packt er schon.“ Inmitten der stolzen Eltern sind Holger Thrien und einige andere Lehrer*innen der Grundschule zu sehen, die immer wieder Gespräche führen. Auch vor den Ständen des Fördervereins und der Offenen Ganztagsschule (OGS) herrscht großer Andrang – Informationen sind heiß begehrt.

Aufregender Neuanfang – auch für die Lehrkräfte

Nicht nur für die Erstklässler*innen ist es ein Tag, an dem etwas Neues beginnt. „Auch für uns als Schule ist es jedes Jahr wieder spannend, wie der Schulstart laufen wird“, berichtet Holger Thrien. „Und sobald wir die Einschulung geschafft haben, beginnen wir schon mit den Vorbereitungen für das nächste Jahr: Vom Tag der offenen Tür über die Anmeldungen und einen Schnuppertag für die Kinder bis zum ersten Elternabend – da kommt ganz schön was zusammen.“ Auch die Lehrer*innen sind nervös, wenn sie eine neue Klasse übernehmen. Und so ist es für Linda Klimmek und Justus Bode ein ganz besonderer Moment, als sie mit ihrer Pinguin-Klasse die erste Stunde verbringen. „Für uns ist es das erste Mal, dass wir eine Klassenleitung übernehmen. Ich habe schon vorher unterrichtet, aber eben keine eigene Klasse gehabt. Dass wir als Zweierteam starten können, ist natürlich toll“, sagt Justus Bode. Seine Kollegin Linda Klimmek ergänzt: „Das ist ein großer Vorteil, weil sich die gesammelte Aufregung, die Vorbereitung, alles, was es zu planen und organisieren gibt, auf zwei Paar Schultern verteilt – und wir uns außerdem immer mit jemandem austauschen können, der sich in genau derselben Situation befindet.“
Bis spät in den Vorabend hinein haben die beiden den Klassenraum liebevoll eingerichtet. Wohin man schaut, entdeckt man kleine Pinguine in allen Varianten – für die Kinder ein Anker, der sie immer wieder daran erinnern soll, wo sie hingehören. Den Unterricht haben Linda Klimmek und Justus Bode nach Fächern aufgeteilt, zwei Stunden in der Woche stehen sie gemeinsam vor der Klasse. Auf die Frage, was ihnen nach all den Vorbereitungen am besten gefallen hat, antworten beide: „Die Kinder endlich persönlich kennenzulernen. Bisher war alles rein theoretisch, jetzt können wir endlich loslegen und als Gemeinschaft zusammenwachsen.“

Sonniger Start mit besten Aussichten

Die erste Schulstunde ist geschafft, freudig und sichtlich gelöst stürmen die Kinder aus den Klassen. Davor warten die Eltern, fröhliches Chaos bricht auf dem Schulflur aus. Susanne Zöller steht mit ihrer Tochter Laura vor einer kleinen Tafel mit der Aufschrift „Mein 1. Schultag“. Das frischgebackene Schulkind freut sich sichtlich: „Ich find’ es toll, zur Schule zu gehen – am meisten freue ich mich auf den Sportunterricht.“ Auch Familie Plitzko schaut mit Tochter Lilia an der Tafel vorbei. „Ich fand meine erste Schulstunde ganz toll“, sagt Lilia lächelnd.

Es ist nach zwölf. Während die Stühle zurück in die Klassen geräumt werden, gehen auch die letzten Familien von der Schule nach Hause. Am Himmel zieht das nächste Flugzeug seine weiße Spur, von dem angekündigten Regen ist noch immer nichts zu sehen.