lautstark. 02.02.2021

Coachingkonzept für neue Personalräte

Von alten Hasen lernen

Personalratswahlen bieten immer auch eine Chance des Generationenwechsels innerhalb der Gewerkschaftsarbeit. Doch viele junge Kolleg*innen fühlen sich der wichtigen Aufgabe nicht gewachsen. Die GEW NRW erarbeitet derzeit ein Coachingkonzept für die Personalräte im Schulbereich, um den „Neuen“ mehr Unterstützung zu bieten.

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  • Ausgabe: lautstark. 01/2021 | Lebensphasen: Jedes Alter gut gestalten
  • Autor*in: David Peters
  • Funktion: freier Journalist
Min.

Bei der Personalratswahl im Bereich Schule im vergangenen Herbst wurden einige neue Mitglieder gewählt, darunter Grundschullehrerin Lea Becker (siehe Foto oben, links). Sie hatte zunächst über eine Freundin mehr über die Tätigkeiten des Personalrats erfahren, den sie selbst schon bei Versetzungsanträgen zurate gezogen hatte. Vor vier Jahren übernahm sie vertretungsweise Aufgaben in dem Gremium und konnte so schon ein bisschen Personalratsluft schnuppern. Für die Wahlen 2020 ließ sie sich schließlich als Kandidatin auf die Wahlliste der GEW NRW für den Personalrat Grundschule im Oberbergischen Kreis setzen – mit Erfolg, wie das Ergebnis zeigt. Mit 34 Jahren ist sie nun eines der jüngsten Mitglieder in ihrem Personalrat und Teil eines Generationenwechsels.

Beschäftigtenspektrum im Personalrat abbilden

Nicht jedes neue Personalratsmitglied ist automatisch jünger als die anderen Mitglieder. Doch bei der letzten Wahl sei es erklärtes Ziel gewesen, mehr junge GEW-Mitglieder im Personalrat unterzubringen. Damit möchte die GEW NRW möglichst das gesamte Spektrum der Beschäftigten auch im Personalrat selbst repräsentieren. Dazu gehöre neben Geschlecht, Migrationshintergrund und fachlicher Profession auch das Alter. „Heute sind die Kolleginnen und Kollegen teilweise 25, wenn sie an einer Schule anfangen“, berichtet Volker Maibaum, der erst mit 43 Jahren in den Schuldienst kam und zwölf Jahre lang für die GEW im Personalrat aktiv war. „Das muss sich in den Personalräten widerspiegeln. Diese Kolleginnen und Kollegen bringen ganz andere Sichtweisen mit, wenn sie sich beispielsweise in der Familiengründung befinden.“

Die Entscheidung, Personalrät*in zu werden, falle vielen jüngeren Kolleg*innen allerdings schwer, weiß Lea Becker. „Da gibt es Zweifel, ob man der Aufgabe gewachsen ist.“ Sie selbst hatte diese Bedenken nicht: „Ich habe mich gefreut, dass ich neben der Schule noch etwas anderes machen kann. Ich organisiere gerne und beschäftige mich damit, wie man etwas verändern oder verbessern kann.“

Personalräteschulungen bieten Unterstützung

Gerade zu Beginn der Tätigkeit bestehe für die neuen Mitglieder des Personalrats die Gefahr, „ins kalte Wasser“ geschmissen zu werden, erklärt Volker Maibaum (siehe Foto oben, rechts). Mit diesem Problem sehen sich alle neu gewählten Personalrät*innen, egal ob jung oder alt, konfrontiert. Wie groß die Herausforderung beim Einstieg in den Personalrat ist, hänge weniger vom Alter ab, so Volker Maibaum. Die Frage sei viel mehr, welche schulische Erfahrung Kolleg*innen über den Lehrerrat oder andere Gremien in den Personalrat einbringen und wie die Kolleg*innen in der GEW verankert sind.

Den „Neuen“ bietet ein GEW-internes modulares Schulungsprogramm beispielsweise zum Thema „Neu im Personalrat“ Orientierung und Unterstützung. Diese Erfahrung hat auch Lea Becker gemacht. Sie lobt das Programm: „Dabei konnten viele Fragen, die uns ,Neue‘ betreffen, geklärt werden. Außerdem hat es den Austausch untereinander gefördert.“ Weitere interne Schulungen für „die Neuen“ behandeln rechtliche Grundlagen zum Personalvertretungsrecht, zum Beamt*innenrecht und zum Arbeitsrecht. Diese Themen werden auch anhand von praktischen Einzelfällen behandelt und von erfahrenen Personalrät*innen  sowie juristischen Referent*innen vermittelt. All diese internen Schulungen bieten eine wichtige Grundlage für den Einstieg in die Personalratsarbeit, erklärt Volker Maibaum: „Dort geht es um die gesetzlichen Arbeitsgrundlagen und Rahmenbedingungen.“ Es gebe aber auch Punkte, mit denen man sich intensiver befassen müsse. „Wenn es aber um die konkreten Fragen der Kolleginnen und Kollegen geht, hilft – überspitzt gesagt – der Gesetzestext alleine nicht weiter.“ Manchmal komme also der Austausch über Alltagserfahrungen in der Personalratsarbeit zu kurz.

Neues Coachingkonzept für mehr Austausch

Diese Lücke könnte ein Coachingkonzept füllen, das Volker Maibaum angeregt hat. Ein wichtiger Teil dieses Konzepts sieht vor, den individuellen Fragen der neuen Personalrät*innen mehr Raum zu geben. Über das Coaching soll eine Gesprächsgruppe geschaffen werden, die von einem erfahrenen Personalratsmitglied „moderiert“ wird. Den neuen Personalrät*innen – unabhängig vom Alter – soll dabei unter anderem vermittelt werden, welche Rolle sie in der alltäglichen Personalratsarbeit einnehmen müssen und auch was das mit der GEW zu tun hat. „Die Personalrät*innen sind teilweise auch so was wie eine ‚Telefonseelsorge‘ für ihre Kolleg*innen“, so Volker Maibaum.

Generationenwechsel sollte nach und nach erfolgen

Das Konzept müsse jetzt innerhalb der Gewerkschaft auf den Prüfstand gestellt werden, beschreibt Volker Maibaum den weiteren Weg. In einer ersten Videokonferenz der neuen Personalratsmitglieder sei der Entwurf bereits gut angekommen, berichtet Lea Becker. Sie sieht das Konzept sehr positiv: „Von wem kann man denn besser lernen als von den ‚alten Hasen‘?“ Zudem sei es wichtig, dass der Generationenwechsel stückweise erfolge, damit in den Personalräten eine Mischung aus jüngeren und älteren Kolleg*innen erhalten bleibe, findet die 34-Jährige. Beide Seiten würden so bestmöglich voneinander profitieren.

Volker Maibaum sieht es ähnlich: „Personalräte leben immer auch von der Erfahrung und die alten Hasen sollen kein Herrschaftswissen bunkern, sondern teilen.“ Berufseinsteiger*innen sollten deshalb versuchen, sich zuvor schon im Lehrerrat oder ähnlichen Gremien, vor allem in der Gewerkschaft, zu engagieren. Außerdem setze ein Generationenwechsel im Personalrat voraus, dass es zuvor einen Generationenwechsel innerhalb der GEW selbst geben müsse, betont das langjährige Gewerkschaftsmitglied.