Welche Formen des Miteinanders prägen eure Schuldemokratie?
Stefan Schubert: Wir haben einen demokratiepädagogischen Schwerpunkt. Dadurch sind wir eine Schule, die in diesem Bereich nicht alltäglich unterwegs ist. Die Kinder können sich bei uns schon ab der fünften Klasse als „Demokratieentdecker“ anmelden. In der Demokratie-AG ab Klasse 8 fördern wir die Erinnerungskultur – etwa durch Ausflüge zur Gedenkhalle in Oberhausen und die Teilnahme an Gedenktagen. Gleichzeitig leben wir an der gesamten Schule demokratische Grundwerte wie Mitbestimmung, Toleranz und Zivilcourage. Bei uns hat jede Klasse einen Klassenrat, und in der Woche der Demokratie haben vor kurzem über 1000 Schüler*innen zum Thema Grundrechte gearbeitet.
Wie können Lehrkräfte Wahlergebnisse im Unterricht thematisieren?
Stefan Schubert: Wir versuchen, solche Inhalte möglichst praxisnah zu vermitteln. Bei uns gab es vor der Bundestagswahl zum Beispiel Juniorwahlen – also Probewahlen, bei denen die Jugendlichen so abstimmen konnten, als würden sie an der Wahl teilnehmen. Dazu gehörte die Vor- und Nachbereitung im Unterricht. Ein anderes Beispiel ist unser Polittalk. Da haben wir Politiker*innen aller Parteien eingeladen, ihre Positionen bei uns in der Schule in großer Runde vorzustellen. Unsere Schüler*innen haben vorher über 100 Fragen gesammelt und mitbestimmt, wer kommen soll. Genau darum geht es: Kinder und Jugendliche selbstwirksam zu machen. Wir setzen nur den Rahmen und schreiten ein, wenn Dinge nicht möglich sind.
Lina Kindermann: Es müssen aber gar nicht immer so große Projekte sein. Auch mit kleinen Dingen kann man viel erreichen. Wichtig ist nur, die Schüler*innen einzubeziehen und ihnen zu signalisieren, dass wir sie und ihre Meinungen ernst nehmen.