

Empathie ist ein Wesensmerkmal, aber auch eine Qualifikation. Das wird im Gespräch mit Bernadette Stolle schnell deutlich. Interessen der Kolleg*innen zu vertreten „muss eine Herzensangelegenheit sein“, sagt die Vorsitzende des Personalrats für wissenschaftliche Beschäftigte an der Fachhochschule Südwestfalen über die Basics für das Amt. Ohne Begeisterung für Themen wie Gerechtigkeit, Transparenz und Solidarität, ohne persönliches Engagement sei das nicht zu machen. Politisch sei sie immer schon gewesen, so die 49-Jährige:
Engagement bei Amnesty International, Studium der Politikwissenschaft, Mitarbeit im Allgemeinen Studierendenausschuss. Aber Gewerkschaft und Arbeitnehmer*innen-Interessen? Nein. „Das war zu weit entfernt von meinem bisherigen Leben“, sagt sie.
Solidarität und Rückhalt – gute Gründe für die GEW NRW
Der Kick, Personalrätin zu werden, kam 2002. Erst ärgerte sie Intransparenz bei der Wahl der Gleichstellungsbeauftragten, dann überlegte ihr Vorgesetzter, für den Personalrat zu kandidieren. Der Chef sollte zugleich ihr Interessenvertreter sein? – „Das geht gar nicht“, war sich die Sozialwissenschaftlerin sicher. Sie organisierte eine Frauenliste. „Wir sind blauäugig angetreten und haben sofort einen Sitz bekommen“, sagt sie. Als 2004 eine neue Person für den Vorsitz gesucht wurde, zeigte Bernadette Stolle Interesse und bekam den Job. 2007 trat sie in die GEW ein. Der Grund: Interessenvertretung war schwieriger geworden.
Mit neuer Hochschulgesetzgebung hatte die schwarz-gelbe Landesregierung die Hauptpersonalräte abgeschafft. „Es gab keine Möglichkeit mehr, Rahmenbedingungen zu vereinbaren“, sagt Bernadette Stolle rückblickend. Der Personalrat war auf sich gestellt. Sie kam zur GEW, weil ihr „solidarisches Handeln und Rückhalt wichtig sind“. Inzwischen hat sie mit anderen erreicht, dass die Landespersonalrätekonferenz für die wissenschaftlich Beschäftigten (LPKwiss) auch im Landespersonalvertretungsgesetz verankert ist. „Wir versuchen auch, Ansprechpartner für Hochschulleitungen und Politik zu sein“, sagt sie. Als Geschäftsführerin des LPKwiss und Personalratsvorsitzende ist sie von ihren eigentlichen Arbeitsaufgaben freigestellt.
„Aber für die, die nicht freigestellt sind, erledigt niemand die Arbeit“, zeigt sie Belastungsprobleme auf. Sie
bedauert, dass Interessenvertretung häufig dazu führt, dass diese ehrenamtliche Tätigkeit nicht nur innerhalb der Arbeitszeit zu erledigen ist, auch wenn dies gesetzlich eigentlich so vorgesehen ist. Ihr sozialwissenschaftliches Studium und ihre kontinuierliche Weiterbildung sieht sie als gute Grundlage für ihr Mandat als Interessenvertreterin. „Vieles kommt einfach durch Tun“, meint Bernadette Stolle. Beratungsbedarf bei Höhergruppier-
ungen, Mobbing, Befristungen und seit der Corona-Pandemie verstärkt Fragen zum Homeoffice – das sind die Probleme, mit denen die Personalrätin seit 18 Jahren nahezu täglich konfrontiert wird.
Kein Kuschelkurs mit dem Dienstherrn
Die grundsätzlichen Probleme haben sich seither kaum geändert. Und: „Der Tarif ist nicht genderneutral“,
kritisiert sie. Vorbehalte gegen sie gebe es immer wieder bis hin zu persönlichen Angriffen. Da helfe „ein Personalrat, der einem den Rücken stärkt und zeigt, dass man nicht allein steht“. Kraft und Motivation geben zudem positive Rückmeldungen der Beschäftigten wie: „Danke, das hat uns geholfen.“ Wichtig ist ihr, „als Gremium zu funktionieren. Man muss sehen, dass man sich nicht auseinanderdividieren lässt.“ Dazu gehöre auch der Austausch mit dem Personalrat der Beschäftigten in Technik und Verwaltung oder der Gleichstellungs- beauftragten. „Themen setzen, die die Leute interessieren.
Man muss Fragen im Vorfeld aufgreifen. Es darf nicht der Eindruck entstehen, wir kuscheln mit dem Dienstherrn.“ Damit setzt Bernadette Stolle auf klare Kante, aber auch auf Basisnähe und die Fähigkeit, andere mitzunehmen. Die Personalversammlungen seien gut besucht, freut sie sich über die Früchte dieser Arbeit. Nach 18 Jahren, oft mit einer 50-Stunden-Woche, kandidiert Bernadette Stolle bei den anstehenden Personalratswahlen nicht mehr. „Die anderen machen weiter“, sagt sie und hat den Eindruck, dass es für die Personalratswahl etliche Bewerber*innen gibt. Wer mit solch einem Gefühl aufhört, muss vieles richtig gemacht haben.
Personalratswahl
GEW wählen – mit Abstand am besten Die Monate mit der Pandemie haben erneut gezeigt: Engagierte Interessenvertretung der GEW-Kolleg*innen in den Personalräten ist unverzichtbar. Entwicklung von Hygienekonzepten, Umgang mit Risikogruppen oder die Sicherstellung von Examen und Einstellungen sind gute Beispiele. Für uns steht die Gesundheit an erster Stelle. Bis zum 1. Oktober 2020 finden die Personalratswahlen statt. Dann heißt es: GEW wählen. Mit Abstand am besten. Denn: Gewerkschaft wirkt!