lautstark. 28.04.2020

Corona: Digitalstrategie notwendiger denn je

Digitalität im UnterrichtDigitale AusstattungDatenschutzChancengleichheit

Pandemie offenbart politische Versäumnisse

Die Corona-Krise zeigt uns, dass wir in NRW mit Blick auf die Digitalisierung unserer Schulen schlecht aufgestellt sind. Natürlich war nicht vorhersehbar, dass Schulen geschlossen werden müssen und kein herkömmlicher Unterricht mehr stattfinden kann. Aber musste die Situation sich so schwierig gestalten, wie sie sich nun offenbart?

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  • Ausgabe: lautstark. 03/2020 | Respekt ist Wertschätzung
  • Autor*in: Sebastian Krebs
  • Funktion: stellvertretender Vorsitzender der GEW NRW
Min.

Seit Langem fordert die GEW NRW von der Landesregierung, die Digitalisierung voranzutreiben und endlich sowohl die Lehrkräfte als auch Schüler*innen mit notwendigen Endgeräten auszustatten sowie gesetzeskonforme Programme und Plattformen für Unterricht, Organisation und Kommunikation freizugeben. Die jetzige Corona-Situation führt uns vor Augen, dass wir durch die politischen Versäumnisse der letzten Jahre und den Streit über Zuständigkeiten nun ohne all das dastehen. Verschärfend kommt hinzu, dass die sozialen Unterschiede innerhalb der Schülerschaft, deren Beseitigung wir seit Jahren mit dem Motto „Ungleiches ungleich behandeln“ fordern, nun erst recht sichtbar werden. Wer in einem finanziell schwächeren Haushalt aufwächst oder zu Hause nicht über die nötige technische Ausstattung verfügt, kann nicht oder nur eingeschränkt am Onlineunterricht teilnehmen und wird in dieser besonders herausfordernden Situation abgehängt. Das wird uns jetzt von Lehrer*innen und Eltern zurückgemeldet.

Außerdem sind Lehrer*innen durch die nicht ausreichende technische Ausstattung mit Hard- und Software gezwungen, nicht datensichere und damit nicht zugelassene Plattformen zu nutzen und unter Umgehung der rechtlichen Vorschriften zu arbeiten. Dieser Einsatz scheint erst einmal lobenswert – schafft eine besondere Situation unter Umständen auch die Notwendigkeit außergewöhnlicher Lösungen.

Was bedeutet dies aber für die Zukunft? Zunächst müssen Landesregierung und Schulministerium die Kolleg*innen von jeder Form der Haftung freistellen. Die Einhaltung des Datenschutzes war den Lehrenden bei der Durchführung ihrer außergewöhnlichen Aufgabe mit den gegebenen Mitteln nicht möglich.

Vor allem muss die Politik jetzt aber dafür sorgen, dass die Milliarden Euro aus dem Digitalpakt endlich investiert werden, um Schüler*innen und Lehrer*innen mit entsprechenden Geräten sowie mit freigegebenen, datensicheren Programmen und Plattformen für die Arbeit und Kommunikation auszustatten.

Diese Krise zeigt: Eine durchdachte Digitalstrategie ist notwendig, um rechtssicher digital unterrichten zu können und für alle Schüler*innen die gleichen Lernbedingungen zu schaffen!