lautstark. 20.08.2020

Sozialpädagogische Fachkräfte in der Schuleingangsphase

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Nebelkerze und Lückenfüller

Sozialpädagogische Fachkräfte in der Schuleingangsphase leisten wertvolle Arbeit und sind gleichzeitig die Lückenfüller für die unerledigten Aufgaben des Schulministeriums.

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  • Ausgabe: lautstark. 05/2020 | Mehr Profis für gute Bildung
  • Autor*in: Sandro Monachello
  • Funktion: Fachgruppe Grundschule der GEW NRW
Min.

Endlich! Die GEW NRW hat sich lange dafür stark gemacht, die Stellen für die Sozialpädagogischen Fachkräfte in der Schuleingangsphase signifikant zu erhöhen. Und siehe da, zu den bereits bestehenden 593 Stellen sind 1.157 neue hinzugekommen. Im Schuljahr 2020/2021 kommen 400 weitere dazu, bis 2025 insgesamt 3.000. Das Ministerium für Schule und Bildung NRW sagt stolz: „Wir machen das!“ Respekt! Im Sinne einer gelungenen und nachhaltigen Schulpolitik ließe sich im Beethoven-Jahr die Europahymne anstimmen und alle singen ganz laut im Chor: Freude schöner Götterfunken. Alle könnten sich erfreut in den Armen liegen. Alles wird gut. Nicht nur Corona verhindert dies! 

Andere schulpolitische Baustellen bleiben

Bei näherer Betrachtung entpuppt sich die Komposition dahinter eher als ein Missklang. Bisher leisten 1.750 Kolleg*innen in der Schuleingangsphase täglich eine qualitativ hochanspruchsvolle Arbeit im Sinne des einzelnen Kindes. Jede einzelne Grundschule begrüßt die hinzugewonnene Stelle und alle Lehrer*innen freuen sich über jede Unterstützung und Expertise. Diese wirkungsvolle Maßnahme war richtig und bleibt auch wichtig.

Aber auf schulpolitischer Ebene sind weitere große Baustellen entweder noch nicht ausreichend oder gar nicht gelöst worden. Egal wo, wann und mit wem: Werden die Begriffe Lehrkräftemangel, Inklusion und Digitalisierung, Hygienemaßnahmen auch noch so leise geflüstert, ist über ganz Nordrhein-Westfalen ein lautes Stöhnen zu hören. Da möchte sich keiner mehr umarmen! Nicht nur wegen Corona.

Nebelkerze und Lückenfüller des Schulministeriums

Die Sozialpädagog*innen in der Schuleingangsphase sind für das Schulministerium eine Nebelkerze, um endlich eine zeitnahe, aktive und erfolgreiche bildungspolitische Maßnahme umzusetzen. Öffentlichkeitswirksam eben! Sozialpädagog*innen übernehmen neben ihrer originären Aufgabe, Schüler*innen in der Schuleingangsphase zu fördern, jedoch noch zahlreiche weitere. Sie vertreten kurz- und langfristig den Unterricht, wirken inklusiv und differenzierend, verbessern die Sprachkompetenz von geflüchteten Kindern und schaffen Übergänge im Sinne des Kindes. Für die gesamte Schulorganisation sind sie gleichwertige Ansprechpartner*innen. Auch in Corona-Zeiten!

Wirkliche Anerkennung dringend benötigt

Das ist dem Schulministerium, den Bezirksregierungen und der Schulaufsicht bekannt. Es ist eine Frage des Respekts und Achtung gegenüber den Sozialpädagog*innen in der Schuleingangsphase, wenn sie dafür die notwendige öffentliche und institutionelle Anerkennung bekommen. Die Kolleg*innen brauchen eine fundierte und professionelle Fachberatung und damit offizielle Ansprechpartner*innen, die sich im Arbeitsfeld auskennen. Sie brauchen die Möglichkeit der Fort- und Weiterbildung, die auf ihre Schulpraxis zugeschnitten ist. Für die strukturelle und inhaltliche Vernetzung, zur Optimierung lokaler Arbeitsstrukturen und für eine gute und nachhaltige Pädagogik müssen Zeit, Ressourcen und ein Budget eingeplant sein. Nicht zuletzt braucht es eine verbesserte Gehalts- und Aufstiegsperspektive. In einer modernen Arbeitskultur werden die Kompetenzen und Fähigkeiten von Mitarbeiter*innen als wesentliche Grundlagen betrachtet. Ein moderner öffentlicher Dienst macht es sich zur Aufgabe, diese zu fördern. Wer gute Bedingungen schafft, setzt ein Zeichen der Wertschätzung.

Im nun vorliegenden „Masterplan Grundschule“ ist davon nichts zu lesen. Mehr Arbeit ist sogar angesagt: Sozialpädagog*innen sollen die Arbeit der Grundschulkolleg*innen und Sonderpädagog*innen in den Klassen 3 und 4 flankieren. Nun sollen wir auch an der Seitenlinie mit unserer Expertise jederzeit parat stehen. Respekt, Frau Ministerin: Sozialpädagog*innen in der Schuleingangsphase bilden die Flanke, um das Bildungssystem ein Stück gerechter zu machen. Kommt noch was? Wir warten auf den nächsten Paukenschlag.