Bildungspolitik 20.07.2020

Corona School: Studierende helfen Schüler*innen

Corona

Freiwillige gesucht

Während der Zeit der Schulschließungen haben sich viele Studierende engagiert, um Schüler*innen zu helfen. Lea Biere stellt das Projekt Corona School und dessen Pläne für die Sommerferien vor.

  • Autor*in: Lea Biere
  • Funktion: Representative der Corona School an der Universität Paderborn
Min.

Durch Zufall habe ich von der Corona School erfahren. Die Idee, in der Zeit der Pandemie als Studentin Schüler*innen zu helfen, die nicht zur Schule gehen können, hat mich gleich interessiert. Einige Tage nach meinem Einführungsgespräch, in dem ich meine Motivation, meine Fähigkeiten und meine Erfahrungen vorgestellt habe, bekam ich die Nachricht: „It’s a match!“

Nachhilfe kommt dahin, wo sie gebraucht wird

Der Algorithmus der Corona School hatte mich einer*m Schüler*in zugeteilt. Per E-Mail vereinbarten wir ein erstes Kennenlerngespräch über die, von der Corona School angebotene, Plattform Jitsi. Dort besprach ich mit meinem „Match“ und seiner Mutter, was wir bei unseren Treffen in Zukunft machen wollen. Seitdem treffen wir uns einmal in der Woche über Skype für ein bis zwei Stunden und lernen Latein. Mein Schüler kommt aus Baden-Württemberg, ich aus Nordrhein-Westfalen. Für ihn steht fest, dass er Latein abwählen wird, aber das geht aktuell noch nicht. Doch er ist stark und kämpft sich durch die Aufgaben und die lateinische Grammatik und ich versuche ihm die Arbeit etwas zu erleichtern.

Aber ich wollte noch mehr helfen. Also stellte ich bei der Corona School eine erneute Anfrage und mir wurde eine weitere Schülerin zugeteilt. Sie lebte vorher in den USA und ist erst seit einem Jahr in Deutschland. Obwohl ihr Deutsch sehr gut ist, hat sie manchmal Probleme mit der deutschen Grammatik. Ich stehe ihr bei Fragen im Fach Deutsch zur Seite. Außerdem besprechen wir die Hausaufgaben in Latein, denn das Übersetzen von Latein in Deutsch ist manchmal eine Herausforderung, vor allem im korrekten Gebrauch der Fälle. Sie ist immer sehr gut vorbereitet und es macht viel Spaß mit ihr zu arbeiten. Wir treffen uns ein- bis zweimal die Woche und lernen in der Regel eine Stunde zusammen.

Ansprechpartnerin für meine Uni

Als die Corona School Ansprechpartner*innen an den jeweiligen Universitäten suchte, meldete ich mich als „Representative“ für die Universität Paderborn. So lernte ich auch zwei meiner Kollegen kennen. Wir stehen nun für Fragen zur Verfügung, suchen nach weiteren motivierten Studierenden und Dozierenden, die sich an der Corona School beteiligen möchten und vernetzen die Corona School mit der Uni. So können sich etwa Lehramtsstudierende nun für ihr Engagement bei der Corona School ECTS anrechnen lassen und so ihre Pflichtpraktika bei der Corona School absolvieren.

Das Konzept der Corona School basiert vor allem auf Eigeninitiative der Student*innen, ist kostenfrei und natürlich digital. Die Corona School sagt dazu:

„Wir sind davon überzeugt, dass es in diesen Zeiten nicht ums Geld, sondern um Solidarität gehen sollte. Daher arbeiten alle unsere Student*innen ehrenamtlich. Somit wollen wir während der Corona-Krise eine virtuelle Lernumgebung ermöglichen, die für alle zugänglich ist und Lernenden und ihren Eltern hilft, sich in der neuen Situation besser zurechtzufinden.“

Inzwischen hat sich die Corona School weiterentwickelt und wird auch nach der Corona-Zeit weitergehen. Der entwickelte Algorithmus soll für jede*n kostenfrei zugänglich gemacht werden, sodass auch in anderen Ländern der Welt eine Corona School entstehen kann. Gemeinsam mit den Bildungsministerien der Bundesländer werden derzeit Konzepte ausgearbeitet, um die Corona School als langfristiges Projekt zu etablieren und auch bildungsbenachteiligte Schüler*innen zu unterstützen und damit für mehr Chancengleichheit im Bildungssektor einzustehen. Außerdem gibt es nun neben der 1-zu-1-Lernbetreuung zwei neue Projekte: die Sommer AGs und das Digital Lehren lernen.

Mitmachen erwünscht

Vor allem für die Sommer AGs suchen wir aktuell motivierte Unterstützer*innen. Studierende können in AGs ein Thema anbieten, von dem sie Ahnung haben. Den Themen sind hierbei kaum Grenzen gesetzt: Basteln, Bauen, Tanzen, Yoga, Fitness, Astronomie, Theater, Programmieren, Roboter, Singen, Musizieren, Komponieren, Rätseln, Umweltschutz, Kochen, Interkulturelles, Deutsch als Zweitsprache ­­­­– alles ist möglich. Auch zeitlich, denn von nur einmalig 60 Minuten bis zu mehrere Wochen jeden Tag ist alles dabei. Die AGs finden als Online-Workshop statt und sollten deshalb für dieses Format passend sein: digital vermittelbar und keine reine Vorlesung für die Schüler*innen.

Die Corona School ist eine großartige Chance, um sich im digitalen Lehren weiterzubilden. Man ist völlig frei und kann individuell digitales Lehren üben. Auch nach den Sommerferien wird vieles noch nicht wie vorher sein und die Schüler*innen können jede Unterstützung gebrauchen. Schaut doch vorbei und macht mit.